Verbieten uns Connected Cars bald das Fahren, weil sie klüger sind als wir?

September 22, 2016
Verbieten uns Connected Cars bald das Fahren, weil sie klüger sind als wir?

Beitrag von Matthias Schorer, Head of Strategy Consulting, CEMEA, VMware

neuHaben Sie den Stuttgarter Tatort im August gesehen? Die beiden Kommissare Lannert und Bootz bekommen es im Verlauf ihrer Ermittlungen mit der selbstlernenden künstlichen Intelligenz Bluesky zu tun, die sich verselbstständigt hat und nicht weiter von ihren Entwicklern gesteuert werden kann – genauso wie HAL9000 damals in dem Film Odyssee im Weltraum ein Produkt kreativer Filmemacher aber heute ein gar nicht ganz so abwegiges Zukunftsszenario? Können sich womöglich auch autonome Fahrzeuge weiterentwickeln und zunehmend außer Kontrolle geraten?

Um die Antwort gleich vorweg zu nehmen: Nein – eine Gefahr, dass autonom fahrende Autos nicht mehr vom Mensch gesteuert werden können, besteht in absehbarer Zukunft nicht. Doch eine Frage bleibt: Wie genau lernen Connected Cars eigentlich das Fahren und richtige Verhalten im Straßenverkehr?

„Jedes Auto wird wie ein Neuron in einem globalen Verkehrsnetz agieren”*

Verbessern und optimieren können sich selbstfahrende Fahrzeuge durchaus. Allerdings findet dieser Prozess nicht automatisch und unkontrolliert, sondern auf Basis vorhandener Algorithmen und Informationen statt. Autonom fahrende Autos können nur einprogrammierte Strecken fahren; sie sind auf hochgenaue GPS-Systeme und aktualisierte Straßenkarten angewiesen. Sie lernen auch nicht individuell und unabhängig von anderen Connected Cars, denn Fahrzeugflotten teilen ihren Kenntnisstand miteinander. Durch permanente Aufzeichnung, Verarbeitung und Weitergabe von Millionen an Datenpunkten lernen Connected Cars auch mit komplexen Situationen umzugehen. Ihre Bordsysteme informieren sich gegenseitig über Umgebung, Staus, Baustelllen, Verkehrsschilder oder Unfälle. Auch wenn ein Auto selbst noch nie an einer Baustelle vorbeigefahren ist, weiß es durch die Informationsbereitstellung eines anderen Autos trotzdem, dass Pylonen und Warnbaken typische Kennzeichen einer Baustelle sind.

Wie nehmen Connected Cars ihre Umgebung wahr?

Informationen sammeln und teilen – das klingt eigentlich nicht so kompliziert. Doch wie sind Connected Cars überhaupt dazu in der Lage, ihre Umgebung wahrzunehmen und wie lernen sie „Sehen”? Eines der Stichworte hier lautet Deep Learning. Dabei geht es um die Verarbeitung von Informationen, mit denen Autos durch Kameras, Sensoren und Radarsysteme gefüttert oder die ihnen von anderen Fahrzeugen zur Verfügungen gestellten werden. Bei dem Prozess werden künstliche Gehirnzellen zu mehreren Ebenen komplexer Merkmale und Informationen, angeordnet. Auf Basis dieser hierarchischen Schichtungen können (neue) Datenbestände vom System in Kategorien eingeteilt und schließlich vom Auto korrekt wiedererkannt werden.
Sie verstehen nur Bahnhof? Diese Präsentation eines Wissenschaftlers der Uni Hamburg erklärt den Deep-Learning-Prozess von Connected Cars sehr anschaulich.

Was kann da noch schief gehen?

Auch wenn Connected Cars, anders als außer Rand und Band geratene KIs, keinen spannenden Tatort-Stoff bieten, gibt es trotzdem einige Dinge, die schief laufen können. Wie sich Autos in einzelnen Situationen verhalten, kann nicht hundertprozentig vorausgesagt werden – oder wie es ein Googleingeneur sagte: „auf der Straße passieren die krassesten Dinge, die kein Mensch vorhersagen kann”. Denn gelegentlich reagiert auch die Technik falsch. So verwechselte ein PKW ein 60km/h Schild an der Rückseite eines Lastwagens mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung. Oder aber der Fall eines vor- und zurückrollenden Fahrradfahrers, der an einer Fußgängerampel nicht als wartender „Fußgänger” identifiziert werden konnte, woraufhin das Auto trotz grünes Lichtes stehenblieb. Generell ist das Voraussagen menschlichen Verhaltens eine der gewaltigsten Herausforderungen für die Technik. Auch könnten sich autonome Autos im Straßenverkehr die falschen Vorbilder nehmen und das Verhalten von Verkehrsrowdies wie Rasern, Nichtblinkern oder Rotfahrern nachahmen.

Der wesentliche Punkt bleibt aber: Connected Cars lernen und verbessern sich, doch die ihnen zur Verfügung gestellten Logikstrukturen können sie nicht verändern. Ihr Fahrverhalten bleibt deterministisch und der Mensch wird stets dazu in der Lage sein, auch im automatisierten Fahrmodus, die Kontrolle über sein Fahrzeug zu erlangen – wenn auch nicht zwingend mit Lenkrad, Gas und Bremse.

Weitere interessante Zukunftsvisionen und Input zum Connected Car veröffentliche ich außerdem auf Twitter sowie auf unserem VMware Automotive Blog.


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*Dieter Zetsche in einem Artikel von handelsblatt.de vom 24. Februar 2016.


 
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