Smart Environment: Wie das Internet der Dinge Umwelt und Menschen schützen kann

October 10, 2017
Smart Environment: Wie das Internet der Dinge Umwelt und Menschen schützen kann

Beitrag von Matthias Schorer, Lead Business Development Manager, IoT, EMEA bei VMware

Italien, Kanada, Kroatien, Portugal, Spanien und die USA: 2017 war das Jahr der Waldbrände. Die große Sommerhitze und Trockenheit traf viele südliche Regionen ohne Vorbereitung. Oft war es der größte Waldbrand, den die Region je erlebt hat. Die erschreckenden Berichte haben mich als IoT-Experten zum Nachdenken gebracht und ich habe mich in den Medien umgesehen: Smart Devices machen nicht nur unser Privatleben komfortabler und intelligenter. Internet of Things ist auch ein großer Helfer für die Prognose von Umweltkatastrophen und die bessere Gestaltung von modernem Urban Living. Wo ist Smart Environment schon heute Realität und wie genau funktioniert das?

Wie lassen sich Veränderungen wahrnehmen und analysieren?

Sensoren sind heutzutage mobil und können fast jede noch so kleine Veränderung, sei es Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder auch Erschütterungen wahrnehmen. In Asiens Metropolen sind Smog-Apps bereits gang und gebe: Wenn die Luft zum Beispiel ein gefährliches Feinstaub-Niveau erreicht und Asthma auslösen kann, warnt das Smartphone. Natürlich sollen solche Apps langfristig vor allem dazu dienen, in den Städten und bei den Behörden das Bewusstsein für den enormen Grad an Luftverschmutzung erhöhen und langfristig vor allem, diese Verschmutzung zu verhindern oder zumindest einzudämmen. Die Sensoren, ob im Smartphone, in einer Drone oder als Chip unter der Haut, können Informationen in Echtzeit an Monitoring Tools für Analysen weitergeben. Davon lassen sich dann Gründe für die Umweltverschmutzung oder Abhängigkeiten von anderen Faktoren, zum Beispiel dem Wetter, ableiten. Es gibt dazu auch Karten, die detailliert und in Echtzeit anzeigen, wie hoch die Luftverschmutzung in verschiedenen Ländern und Städten ist. Mich persönlich hat auch fasziniert, dass diese Form von Smart Environment bereits Eingang in die Kunst gefunden hat. Zwei New Yorker Künstler wollen mit Hightech-Körpererweiterungen, die Erderschütterungen überall auf der Welt wahrnehmen können, mehr Verständnis für die Natur erreichen. Die beiden „Cyborgs“, wie sie sich selbst nennen, glauben, dass Technik die Menschen eben nicht von der Umwelt entfremdet, sondern hilft, Mensch und Umwelt besser zu verbinden.

Urban Living in München lebenswert und nachhaltig gestalten

Umweltschutz steht auch auf der Agenda des europäischen Projektes „Smarter Together“, für das Wien, München und Lyon als Vorzeigestädte dienen. Das Projekt hat zum Ziel, durchgängige Datenplattformen und „Smart Services“ für die Bürger zu schaffen und gleichzeitig die Energieeffizienz zu steigern. Dass hier ein enormer Bedarf besteht, zeigt zum Beispiel das Münchner Pilotprojekt im Stadtteil Neuaubing-Westkreuz/Freiham, dessen Wohnungsbauten teilweise aus den 60er und 70er Jahren stammen. 20 Millionen Euro sollen bis 2021 in diesen Stadtteil investiert werden, um ihn nachhaltig und lebenswert zu gestalten. 20 ist auch sonst die magische Zahl bei diesem Projekt: Neuaubing-Westkreuz/Freiham möchte auf dem rund 350 Hektar großen Areal die CO2-Emissionen um 20 Prozent senken und gleichzeitig die Verwendung erneuerbarer Energien und die Energieeffizienz um 20 Prozent steigern. Dabei spielt der Auf- und Ausbau von Smart-Data-Management-Plattformen und Smart Service-Angeboten wie Apps, intelligenten Laternen oder Sharing-Economy-Ansätzen eine entscheidende Rolle. Gleichzeitig sollen Lösungen für nachhaltige Mobilität im Quartier etabliert werden. Dazu gehören Carsharing-Systeme, Fracht-Pedelecs oder Mobilitätsstationen mit Infosäulen. Das Konzept der Smart City dient also nicht nur unserer Bequemlichkeit und dem Business, sondern langfristig auch unserer Umwelt.

Forschungen, die Menschenleben und Umwelt retten

Auch auf Bundesebene lässt sich der Trend in Richtung Smart Environment erkennen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) zum Beispiel hat das Projekt FIRESENSE ins Leben gerufen. Im Rahmen einer Reihe von Forschungsprojekten zu Kritischen Infrastrukturen (KRITIS) wurde ein automatisches Frühwarnsystem für Feuer und Extremwetterlagen entwickelt, die wichtige Kulturstätten oder Wälder bedrohen. Zu den integrierten Sensoren gehören optische Kameras, Infrarotkameras mit verschiedenen Wellenbereichen, passive Infrarotsensoren (PIR), drahtlose Temperatursensoren, Feuchtigkeitssensoren und lokale Wetterstationen. Die Signale und Messungen der Sensoren werden an das Kontrollcenter (CC), eine benutzerfreundliche Schnittstelle, welches eine intelligente Bildererkennung, Mustererkennungsalgorithmen und Datenfusionstechnik besitzt, übermittelt und dort analysiert und kombiniert. Werden Feuer, Rauch oder ein plötzlicher Temperaturanstieg ermittelt, gibt es ein automatisches Warnsignal. Zusätzlich gehen Sprinkleranlagen zum Löschen der Feuer automatisch an. In Palma de Mallorca läuft gerade ein ähnliches Projekt: Umgebungsdaten, die über Sensoren gesammelt und an eine IoT-Plattform weitergegeben werden, sollen helfen, Luftverschmutzung und Lärmemissionen, die durch die hohe Frequenz der anlegenden Schiffe entsteht, einzudämmen. Laut Autoritat Portuariá de Balear (APB) brachten diese Schiffe allein in 2016 2,5 Millionen Passagiere und 8.2 Millionen Tonnen Fracht nach Mallorca. Wie sich der Massentourismus und die dafür notwendigen Bewegungen von Lebensmitteln und Konsumgütern auf die Luft- und Lebensqualität der spanischen Insel auswirkt, kann ich mir gut vorstellen.

Ich halte diese technologischen Entwicklungen und Forschungsprojekte für absolut wichtig für die Zukunft unserer Erde. Das Internet der Dinge eröffnet ganz neue Möglichkeiten für den Schutz von Mensch, Tier und Umwelt. Kennen auch Sie spannende Projekte, die mehr Aufmerksamkeit verdienen? Dann würde ich mich über einen Austausch mit Ihnen auf Xing, LinkedIn und Twitter freuen!


 
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