Smart City: Wie Computersysteme unsere Mobilität steuern

January 9, 2018
Smart City: Wie Computersysteme unsere Mobilität steuern

Die Digitalisierung wird nicht nur die Industrie und unsere Art zu arbeiten maßgeblich verändern, auch unsere Infrastruktur wird langfristig digitalisiert. Für urbane Lebensräume hat sich dafür der Begriff „Smart City“ durchgesetzt. Aber was genau ist eigentlich eine smarte Stadt?

Beitrag von Matthias Schorer, Lead Business Development Manager, IoT, EMEA bei VMware

Am besten lässt sich das an konkreten Szenarien erklären, beispielsweise an den Veränderungen unserer Mobilität. Transformationsprozesse wie die Digitalisierung, die wir gerade erleben, laufen in unterschiedlichen Phasen und Geschwindigkeiten ab. Während sich ein Startup agil und dynamisch anpassen kann, haben es große traditionelle Unternehmen schwerer. Noch langwieriger sind die Prozesse, die es in einer ganzen Stadt zu digitalisieren gilt! Bis zur ersten kompletten Smart City wird es daher noch etwas dauern, doch es gibt bereits erste Ansätze. Und eines wird uns allen jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit klar: Unsere Ballungsräume brauchen dringend Verkehrsentlastungen.

Mobilität als Treiber für Smart-City-Projekte

Wir kennen zwar die computerisierte Verkehrssteuerung von der automatischen Geschwindigkeitsregulierung auf einigen Autobahnen, aber wirklich smart ist das noch nicht. Oft haben wir sogar den Eindruck, als wäre die Regulierung fast willkürlich. Dabei versucht das System nur die Verkehrsdichte so zu regulieren, dass es erst gar nicht zum Stau kommt. Das funktioniert allerdings in der Regel überhaupt nicht und für den Verkehr in Städten sind diese Systeme noch weniger geeignet, denn hier ist das Fahrverhalten der Verkehrsteilnehmer nicht so linear und vorhersehbar, wie auf Autobahnen. Doch selbstlernende Systeme können mit Künstlicher Intelligenz auch in diesem vermeintlichen Chaos noch Muster erkennen und bei der Steuerung helfen.

Momentan kommen aber auch die intelligentesten Systeme schnell an ihre Grenzen, weil sie beispielsweise Unfälle oder menschliches Fehlverhalten nur unzureichend vorhersehen können. Doch dieses Dilemma ist nur eine Momentaufnahme, dass durch die selbstfahrenden Autos in Zukunft aufgelöst wird. Sind diese erst in ausreichender Anzahl unterwegs, bekommen die intelligenten Verkehrsleitsysteme zum einen deutlich mehr Informationen und zum anderen fallen viele Unsicherheiten weg.

Die selbstfahrenden Autos sind nicht nur untereinander vernetzt, sondern auch mit dem Verkehrssystem und der Infrastruktur. Das System kann dadurch jederzeit berechnen, wann und wo sich wie viele Fahrzeuge aufhalten. Und mehr noch: Da die autonomen Fahrzeuge ihre Passagiere nur dann befördern können, wenn sie ein konkretes Ziel bekommen haben, wissen die Verkehrssysteme sogar genau, wohin jedes erfasste Fahrzeug fahren wird. Dadurch wird es dann möglich, die Routen und Geschwindigkeiten so zu wählen, dass ein optimaler Verkehrsfluss entsteht. Bei kompletter Penetration mit systemgesteuerten Fahrzeugen sind in den intelligenten Städten der Zukunft sogar Ampeln überflüssig.

Ganz nebenbei wird die Zahl der Verkehrsunfälle drastisch sinken. Heute ist menschliches Fehlverhalten der Hauptgrund für Unfälle, zukünftig wird es das so gut wie nicht mehr geben. Vielleicht werden wir dann solche Vorfälle in den TV-Nachrichten sehen, weil sie zu einer Kuriosität geworden sind.

Wenn wir das konsequent weiterdenken, brauchen wir in Zukunft keine eigenen Autos mehr, sondern bestellen uns einfach ein Fahrzeug, wenn wir es brauchen. Schon heute gibt es zahlreiche Carsharing-Modelle, die gut genutzt werden. Dann bekommen wir in den Städten wieder neuen Raum, denn durch Carsharing können wir auf viele Parkplätze und Parkhäuser verzichten. Immerhin stehen unsere eigenen Autos zwischen 80 und 90 Prozent ihrer Lebensdauer ungenutzt herum. Das wird sich durch KI-Systeme, die den Bedarf sehr genau analysieren können, künftig vermeiden lassen.

Was der intelligenten Mobilität noch fehlt

Tatsächlich sind wir von diesem Smart-City-Szenario noch ein gutes Stück entfernt. Zum einen fehlen uns noch die selbstfahrenden Autos, auch wenn die Automobilhersteller mit zahlreichen Assistenzsystemen schon große Fortschritte gemacht haben. Intelligente Stauassistenten können in definierten Situationen schon heute die komplette Kontrolle übernehmen. Ein weiteres Beispiel sind die Sensorensysteme, die uns vor Auffahrunfällen schützen sollen. Zum anderen fehlt uns aber auch noch die Infrastruktur. Für eine intelligente Verkehrsführung müssen die Daten der Fahrzeuge aufgenommen, weitergeleitet, verarbeitet werden. Das wird mit dem nächsten Mobilfunkstandard (5G) deutlich einfacher. Dann kann vernetzte Sensorik entlang der Verkehrswege verbaut werden – und vielleicht irgendwann den Schilderwald ersetzen.

Wir müssen uns aber auch um die Sicherheit solcher Systeme kümmern. Wir brauchen neue Sicherheitsstandards, die es Hackern unmöglich machen, sich Zugang zu den intelligenten Systemen zu verschaffen. Das wird nur dann gelingen, wenn alle, die an der „Mobilität von morgen“ arbeiten, gemeinsame Standards entwickeln. Damit wird die Mobilität in einer Smart City zum Gemeinschaftsprojekt von Städten, der Wirtschaft und der Menschen, die darin leben. Das heisst aber nicht, dass wir nun abwarten sollten bis es einen Standard gibt. Im Gegenteil, nun ist die Zeit in IoT Infrastruktur und deren Absicherung zu investieren, so dass sie bereit für all die neuen Workloads in der Smart City ist!

Wenn Sie wissen möchten, was wir bei VMware in dieser Hinsicht bereits tun, kontaktieren Sie mich gerne auf LinkedIn, Xing und Twitter.


 
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