Richtung: Digitales Europa

April 26, 2016
Richtung: Digitales Europa

Beitrag von Jörg Knippschild, Senior Manager Solution Architects, VMware

Industrie 4.0 ist ein Megatrend: Experten forderten lange Nachholbedarf bei den EU-Gesetzen  und Initiativen für einen digitalen Binnenmarkt. Nun hat die EU-Kommission reagiert.

JoergKnippschild_Portrait_02-nnn-201x300Zuerst die Dampfmaschine, dann das Fließband und die Automatisierung – und nun also die Digitalisierung. Sie hat die vierte industrielle Revolution in Gang gesetzt: Industrie 4.0. Dabei geht es um nichts weniger als die digitale Vernetzung und Transformation ganzer Wertschöpfungsketten in der Industrie. Unternehmen stehen vor der Herausforderung neue digitale Technologien wie Cloud Computing, Big Data Analytics, Robotics und Software Engineering sowie Security-Lösungen in ihren Produktlebenszyklus zu integrieren. Sie müssen es schaffen, komplexe Systeme und Maschinen miteinander zu vernetzten und effektive Standardisierungen zu erreichen. Mit anderen Worten: Die intelligente Fabrik ist eine gewaltige Aufgabe – und zwar sowohl für jedes einzelne Unternehmen als auch für ganze Volkswirtschaften.

Die Kritik

Während sich die Wirtschaft mit rasantem Tempo digitalisiert, diskutierten in den vergangenen Monaten Rechts- und Technologieexperten die notwendige Gesetzgebung für Industrie 4.0. Die Kritik: Die EU ist von einem passenden gesetzlichen Rahmenwerk für die digitale Wirtschaft noch weit entfernt. So sah der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau großen Nachholbedarf bei dem Umgang mit Daten und der Produkthaftung in der EU-Gesetzgebung und forderte einen „Industrie 4.0-Check“. Die Umfrageergebnisse des Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. unter 91 Rechtsabteilungen relevanter deutscher Unternehmen zeigten zudem, dass es für die Rechtsexperten Nachholbedarf in zahlreichen juristischen Bereichen gibt: vom Datenrecht (Datenschutz, Daten-/IT-Sicherheit, Rechte an Daten) hin zum Vertrags- und Haftungs-/IP-Recht. Zugleich war für 84 Prozent der Unternehmen klar: Die Innovationen der Digitalisierung haben starken Einfluss auf das Geschäftsmodell und verändern dieses zunehmend.

Die Reaktion

Auf die Kritik hat die EU-Kommission nun reagiert und am 19. April umfangreiche Maßnahmen für die Digitalisierung der europäischen Industrie vorgestellt. Endlich! – mag da so mancher Entscheider in der Industrie sagen. Das Paket beinhaltet reichlich Maßnahmen wie u.a. die Koordinierung nationaler und regionaler Digitalisierungsinitiativen, Investitionen in ein EU-weites Netz an sogenannten „Digital Innovation Hubs“, neue Rechtsvorschriften für den freien Datenfluss und Eigentum an Daten, die durch Sensoren und intelligente Geräte generiert wurden oder Regelungen zu Sicherheits- und Haftungsfragen von autonomen Systemen. Insgesamt will die EU mehr als 50 Milliarden Euro in die Digitalisierung der Industrie investieren. Eine gewaltige wie dringend nötige Summe, wenn man bedenkt, dass für die Sicherung der globalen Wettbewerbsfähigkeit der EU kein Weg an der Digitalisierung vorbeiführt. Denn schließlich kann nur mit einem zukunftsfähigen rechtlichen Rahmenwerk auf EU-Ebene die Entwicklung digitaler Innovationen und Geschäftsmodelle vorangetrieben werden. Von den insgesamt 20 Initiativen will die EU-Kommission im Laufe des Jahres 16 Initiativen für den digitalen Binnenmarkt vorstellen. BITKOM begrüßte die EU-Maßnahmen mit den Worten von Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder: „Eine zukunftsgerichtete europäische Wirtschaftspolitik muss im Kern Digitalpoliitk sein.“ Darüber hinaus muss gleichzeitig für die Stärkung eines digitalen Europas ein gesetzlicher Rahmen für den Datenaustausch zwischen der EU und den USA im neuen Privacy Shield abgeklärt werden, die endlich Orientierung sowohl für Technologieanbieter als auch Unternehmen und Privatpersonen bietet.

Und wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema? Welche Hürden müssen in der EU bei der Digitalisierung genommen werden? Vor welchen Herausforderungen stehen Sie als Unternehmen bei der Einführung neuer digitaler Technologien? Ich freue mich Ihre Kommentare und Austausch auf Twitter.


 
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