Mit digitalen Kompetenzen in die Zukunft: Bildung 4.0

October 31, 2016
Mit digitalen Kompetenzen in die Zukunft: Bildung 4.0

Beitrag von Matthias Schorer, Head of Strategy Consulting, CEMEA, VMware

neuKreidetafel, Tageslichtprojektor und ein dickes Lehrbuch. Mehr wurde von den Lehrkräften nicht benötigt, um Schülern und Auszubildenden Lehrinhalte zu vermitteln. Diese horchten und notierten mit Stift auf Papier. So oder so ähnlich sah es vermutlich in den meisten Schulen und Ausbildungsstätten hierzulande lange Zeiten aus – auch in meinen eigenen. Doch diese Zeiten sind vorbei: Der digitale Wandel stellt neue Anforderungen an Schüler und Lehrer. Digitalisierung will verstanden, verinnerlicht und umgesetzt werden. Schüler und Auszubildende sollen so früh wie möglich an die Anforderungen des zukünftigen Arbeitsmarktes gewöhnt werden, denn ohne Bildung 4.0 keine Industrie 4.0 – so der Gedanke.

Natürlich ergeben sich bei solch fundamentalen Weichenstellungen des Bildungswesens vielschichtige Herausforderung für Schüler, Lehrer, Bund und Länder. Warum wir die Bildung digitaler Kompetenzen jedoch um jeden Preis meistern sollten, wird nachfolgend deutlich.

Die Digitalisierung wartet nicht

Die jüngste PISA Studie aus dem Jahr 2012 zu den digitalen Fähigkeiten von Schülern ließ Deutschland schlecht dastehen: Ein Platz im Mittelfeld des internationalen Vergleichs ist zu wenig, bedenkt man den Anspruch Deutschlands als führender Industrie- und Innovationsstandort. In einer weiteren repräsentativen Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung wird außerdem deutlich, dass auch Betriebe für den Einsatz digitaler Medien in der Aus- sowie Weiterbildung stärker sensibilisiert und gewonnen werden müssen. Überraschend zeigt sich, dass klassisch, nicht-digitale Medienformate noch immer als am wichtigsten eingeschätzt werden. Dabei sagt jedoch die deutliche Mehrheit der befragten Betriebe aus, dass digitale Formate – insbesondere web- und computerbasierte Lernprogramme – ihrer Meinung nach in Zukunft bei allen betrieblichen Tätigkeiten an Bedeutung gewinnen werden. Paradox, finden Sie nicht auch? Insgesamt zeigt die Studie, dass Betriebe den Nutzen digitaler Lernformen im Verhältnis zu deren Aufwand bei der Erstellung, Anschaffung und Wartung als zu gering einschätzen. Das muss dringend geändert werden. Schulen und Betriebe, insbesondere solche von kleiner und mittlerer Größe, müssen gezielt gefördert und gefordert werden, um die Wettbewerbsfähigkeit der Arbeitnehmer und Arbeitgeber weiterhin zu gewährleisten.

Ein Schritt in die richtige Richtung

Erste Schritte in Richtung Bildung 4.0 gab es bereits im Jahr 2012. Das vorgestellte Förderprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sieht neben digitalen Bildungsangeboten auch die Einbindung möglichst vieler Akteure in die Konzeptentwicklung vor. Dadurch soll die umfassende und branchenübergreifende Adaption unterschiedlicher Fördermaßnahmen gelingen. Das Sonderprogramm ÜBS stellt eine daraus resultierende Maßnahme dar. Hierbei wird die Digitalisierung in überbetrieblichen Berufsbildungsstätten (ÜBS) und Kompetenzzentren gefördert und zwischen 2016 und 2019 bis zu 74 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Ein noch offensiveres Signal gen Digitalisierung sendet jüngst Bildungsministerin Dr. Johanna Wanka mit der Vorstellung des DigitalPaktD. Dieser sieht vor, dass bis zum Jahr 2021 alle rund 40.000 Schulen in der Bundesrepublik eine Breitbandverbindung, WLAN und Computer erhalten. Hierfür sollen in den kommenden fünf Jahren fünf Milliarden Euro auf Bundesebene bereitgestellt werden und somit das Fundament einer nachhaltigen Digitalisierung in der Bildung geschaffen werden. Diese Steilvorlage des Bundes muss nun „nur noch” von den einzelnen Ländern – im Kern eigenverantwortlich in Sachen Bildung – durch geeignete Lehrkräfte mit passenden Unterrichtskonzepten verwertet werden.

Mit Mut und Kooperation in die Zukunft

Schon heute gibt es hervorragende Handlungsbeispiele auf Länderebene: Mit dem Dialogprozess „Lernen im digitalen Wandel” startete die Landesregierung Nordrhein-Westfalen Ende letzten Jahres einen breit angelegten Diskurs über die Anforderungen der Digitalisierung. Hierbei wurden in einem dreistufigen Prozess die Meinungen und Erfahrungen der interessierten Öffentlichkeit gesammelt und in Folge dessen zu einem Leitbild für Bildung in Zeiten der Digitalisierung verarbeitet. Dieses stellt das bundesweit erste seiner Art dar und umfasst alle Bereiche des Bildungsweges – von Kitas bis hin zu den Unihörsälen des Landes.

Damit eines Tages die zur Verfügung gestellten Gelder sowie die ausgearbeiteten Konzepte ihre volle Wirkung entfalten können, bedarf es einer anhaltenden und konsequenten Bildungspolitik. Die Dynamik des digitalen Wandels erfordert dabei zusätzlich die andauernde Überprüfung und Anpassung der digitalen Bildungsstrategie. Dem Aufwand zum Trotz werden wir alle, und insbesondere die nachfolgenden Generationen, von dem Mut und der Entschlossenheit von heute profitieren.


 

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