Leadership braucht Empathie: Warum Unternehmen heute auf Diversität setzen

February 1, 2018
Leadership braucht Empathie: Warum Unternehmen heute auf Diversität setzen

 

In der Schwanthalerstraße in München geht es geschäftig zu. Autos fahren vorbei, Menschen zu Rad oder zu Fuß eilen ihren Terminen nach – genauso wie ich. Bei der Hausnummer 100 hat die Women Speaker Foundation ihren Sitz. Regina Mehler hat sie 2010 gegründet, um für mehr Vielfalt in den Führungsetagen von Unternehmen zu sorgen. Ein Ziel, das auch mir am Herzen liegt: Unternehmen könnten erfolgreicher agieren, wenn allen Mitarbeitern – egal welcher Herkunft und welchen Geschlechts – mehr Entwicklungschancen eingeräumt werden. Über dieses zukunftsweisende Thema geht es bei meinem Treffen mit Regina Mehler.

 

Beitrag von Annette Maier, Vice President & General Manager Germany, VMware

 

Frau Mehler, mit der Women Speaker Foundation möchten Sie für mehr Diversität in Unternehmen sorgen. Ein schönes Ziel, an dem uns bei VMware auch viel liegt – und zwar nicht allein als Selbstzweck. Sondern weil auch die Unternehmen ungemein davon profitieren. Welche Belege gibt es dafür?

Studien von Mc Kinsey und anderen Unternehmensberatungen haben überzeugend belegt, dass insbesondere Gender Diversity einen signifikanten Einfluss auf den Unternehmenserfolg hat. Das war vor fünf Jahren: Damals haben wir uns mit der Women Speaker Foundation das Ziel gesetzt, mehr Frauen in die Sichtbarkeit, auf die Bühne und in Führungspositionen zu bringen. Es geht dabei auch um Führung: Innovational Leadership ist Voraussetzung für den New Way of Work und damit für den kulturellen Wandel in Unternehmen. Ein wesentlicher Aspekt dabei ist die Wertschätzung der unterschiedlichen und individuellen Werte, Kompetenzen und Bedürfnisse jedes Mitarbeiters.

Wir übernehmen die Rolle des Change Agent.

Einen kulturellen Wandel zu erzielen, ist sicherlich ein Ziel, das sich nicht von heute auf morgen erreichen lässt. Es ist ein langsamer aber stetiger Prozess. Zu welchem Mix an Mitarbeitern raten Sie Unternehmen, um eine neue zukunftsweisende diverse Kultur nachhaltig zu implementieren? 

Diversität ist ein Begriff, der Gender, Alter, kulturellen Hintergrund, Ethnien, Religionen und vieles mehr umfasst. Unternehmen brauchen eine Führungskultur, die diese Unterschiede wertschätzt und integriert. Um beispielsweise in globalen Märkten vernetzt arbeiten zu können, brauchen wir diese Ressourcen und das gegenseitige Verstehen – je diverser, desto besser.

 Das ist das Ziel, das wir bei VMware als international agierendes Unternehmen auch im Auge haben. Je diverser wir uns aufstellen, desto besser können wir in unterschiedlichen Märkten agieren und auf unterschiedliche Mentalitäten eingehen. Interessanterweise ist es ja so, dass die Notwendigkeit, gemischte Teams aufzustellen, schon einige Jahre lang diskutiert wird. Warum dauert es so lange bis diese Botschaft durchsickert?

Das hat mit dem Wertewandel in der Gesellschaft zu tun, der sich nur langsam vollzieht. Die Generation Y kann mit Zielen, Werten und Statussymbolen ihrer Eltern nur noch wenig anfangen. Sie will anders geführt werden und anders arbeiten. Die klassischen Rollen und Familienstrukturen brechen auf und werden bunter. All diese unterschiedlichen Lebensentwürfe müssen integriert und in vielfältigen Optionen und Arbeitsmodellen im Unternehmen abgebildet werden. New Leadership bedeutet mit Werten, Zielen, Haltung und Authentizität in Führung zu gehen. Damit wird Vielfalt unterstützt, die diesen Wandel vorantreibt.

Oft sitzen – und das ist selbst im Zukunftsmekka Silicon Valley so – “white men” am Hebel, die gar kein Interesse haben, ihre Macht zu teilen. Wie bringt man sie dazu Vielfalt zuzulassen und wirklich Wert zu schätzen?

Diversity ist Business-relevant. Massiver Kostendruck und veränderte Kundenschnittstellen im Bestandsgeschäft sind nur die ersten Treiber der Digitalisierung. Traditionelle Unternehmen, deren Kultur noch von den früher überaus erfolgreichen homogenen Hierarchien und Top-down Strukturen geprägt sind, werden sich in unbeständigen, unsicheren und hochkomplexen Märkten neu ausrichten müssen. Digitale Technologien, Prozesse und Strukturen erfordern ebenso eine hohe Flexibilität, Agilität und eine andere Fehlerkultur. Das heißt, Unternehmens- und Führungskultur müssen sich wandeln. Und in den Human Ressources-Abteilungen ist bekannt, dass die Employer-Reputation gerade in der jungen Generation stimmen muss, um im „War for Talents“ Punkte zu machen.

Das sind ganz entscheidende Punkte, die sich jedes Unternehmen auf die Agenda setzen muss. Aber auch jeder einzelne Mitarbeiter ist gefragt seinen Teil beizutragen. Was raten Sie den Mitarbeitern – zum Beispiel den Frauen – um selbst relevanter im eigenen Unternehmen zu werden? Wo liegen die größten Hürden und Defizite? Wo die Chancen?

Gerade Frauen können von Männern lernen, wie wichtig Netzwerke für die Karriere sind. Es ist wichtig, die eigene Sichtbarkeit zu erhöhen, um gesehen und gehört zu werden – sich mit Kernkompetenzen und mit Leidenschaft für ein Thema zu positionieren, im Team, im Unternehmen, beim Kunden und in der Fachöffentlichkeit. Das sind unsere relevanten Bühnen.

Das stimmt: Da haben Frauen noch einiges nachzuholen. Wir müssen uns mehr einmischen und selbst mehr Macht ergreifen, um den Wandel mitzugestalten. Es geht dabei ganz entscheidend darum, mehr eigene Initiative zu ergreifen. So gelingt es letztlich auch einen anderen – diversen – Führungsstil zu kreieren. Das ist auch meine letzte Frage an Sie, Frau Mehler: Wie sieht dieser Führungsstil idealerweise aus, damit wir künftig alle – unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichen Geschlechts, unterschiedlichen Alters – gleichermaßen einbeziehen können?

“Leadership is not about being in charge. Leadership is about taking care of those in your charge.” 

Das ist ein Zitat von Simon Sinek. Wir brauchen Empathie und können mit Emotionen in überzeugenden Narrativen motivieren. Darüber hinaus geht es darum, mit Werten, Haltung und Zielen authentisch zu führen und zu kommunizieren. Die Digitalisierung und die zunehmende Agilität in vernetzten Teams bringt auch eine größere Entscheidungsfreiheit für jeden einzelnen.

Das Zitat von Simon Sinek finde ich sehr zutreffend. Beim Leadership geht es darum, die Talente und Motivation eines jeden einzelnen Mitarbeiters zu wecken und zu fördern. CEOs sollten ihre Macht dazu einsetzen, um das Unternehmen über seine Mitarbeiter zum Blühen zu bringen. Danke, Frau Mehler, für das Gespräch!

Wie beurteilen Sie das Thema Diversität und Empathie beim Leadership? Ich freue mich über einen Austausch auf TwitterLinkedIn oder Xing.


 
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