Kurs Dystopie? Ausblick: Cyber-Kriminalität und -Security in 2020

May 12, 2016
Kurs Dystopie? Ausblick: Cyber-Kriminalität und -Security in 2020

Beitrag von Jörg Knippschild, Senior Manager Solution Architects, VMware

JoergKnippschild_Portrait_02 nnnMehr als sieben Milliarden Menschen sind wir im Jahr 2016. Rund 46 Prozent davon nutzen täglich das Internet. Das sind rund drei Milliarden Personen, die Teil eines statistischen Aufwärtstrends sind, der mittlerweile schneller steigt, als die Weltbevölkerung selbst: 88.753.992 Geburten gegenüber 238.975.082 neuen Internetnutzern im Jahr. Wo wird diese Entwicklung hinführen?

Ausblick 2020 – das Jahr der globalen Vernetzung

Genug der Zahlen, mag jetzt einer denken und nach der konkreten Bedeutung dieser schwindelerregenden Hochrechnungen fragen. Ich entschuldige mich also vorab, wenn ich diese Frage mit einer weiteren Statistik beantworte: Bis 2020 werden rund 30 Milliarden vernetzte Geräte dazu beigetragen haben, dass mehr als 75 Prozent der Weltbevölkerung ununterbrochen mit dem Internet verbunden sind. Was das für Cyberkriminalität bedeutet, dürfte selbst der größte Zahlenfeind erahnen.

Um es einmal bildlich auszumalen: 2020 sind unsere Straßen von Autos befüllt, die sich über cloudbasierte Systeme selber fahren.  Fast jeder Mensch trägt mindestens ein Smart-Device mit sich herum und die Waschmaschine zu Hause reguliert über WLAN eigenständig die Waschmitteldosierung.

Eine Traumlandschaft für jeden Cyber-Kriminellen, denn unabhängig davon, wie flach das neueste Smartphone ist, für Malware wird es immer genügend Platz geben.

Cyber-Kriminalität in vier Jahren

2020 werden Cyber-Attacken physikalischen und womöglich auch psychologischen Schaden anrichten. In einer ICSPA-Studie von 2013 heißt es:

„Evolved threats to critical infrastructure and human implants will increasingly blur the distinction between cyber and physical attack, resulting in offline destruction and physical injury.”

Weiter wird auf potentielle Gefahren von Virtual und Augmented Reality hingewiesen, die durch Fremdeingriffe psychischen Schaden bei Anwendern anrichten könnten.

Als wäre das nicht genug, ist eine Weiterentwicklung des Identitäten-Diebstahles zu erwarten. Wo gestohlene Kreditkarteninformationen heute ein bekanntes Ärgernis sind, können künftig ganze Leben durch Hackerangriffe gesteuert werden. Klingt ein bisschen zu sehr nach Science Fiction? Ein Blick in diese Hacker-Horrorstory von Mat Honig (Wired) zeigt, wie das schon vor vier Jahren möglich war – von 2020 gar nicht erst zu sprechen.

Cyber-Security in vier Jahren

Doch es ist nicht alles schlecht, was sich schwarz malen lässt. Denn während sich die kriminelle Cyberfront entwickelt, denkt sich auch die Opposition neue Maßnahmen aus.

  • So gibt es bereits die ersten Master-Studiengänge im Bereich Cyber-Security, die bis 2020 qualifizierte Fachkräfte ausbilden, um der Gefahr ins Auge zu blicken.
  • Innovative IT-Security Startups, wie zum Beispiel DarkTrace, entstehen und spezialisieren sich auf die Bereitstellung ihrer Services als Dienstleister, was bedeutet, dass es künftig zu mehr Kollaboration zwischen Unternehmen und Drittanbietern kommt. Ein positiver Trend, wenn man bedenkt, dass unkoordinierter Datenaustausch ein Manko heutiger Cyber-Security ist.
  • Grundsätzlich steigt weiterhin das Bestreben nach optimierter IT-Sicherheit bei Unternehmen, was sich in einer Verdopplung bereitstehender IT-Security Budgets bis 2020 äußern wird.

Steuern wir also auf eine Dystopie im Jahr 2020 zu? Ich denke nicht. Vielmehr scheint mir die zunehmende Präsenz digitaler Gefahren ein Weckruf zu sein, der die IT wach hält und Innovation erzwingt. Wie heißt es doch so schön? Malware erkannt, Malware gebannt?


Sehen Sie zusätzliche Entwicklungen, die ich vergessen habe zu erwähnen? Teilen Sie mir Ihre Prognosen in den Kommentaren mit und ich update meinen Artikel!

 
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