Vom Sensor zum neuen Geschäftsmodell: Der Weg zum IoT

March 9, 2017
Vom Sensor zum neuen Geschäftsmodell: Der Weg zum IoT

Beitrag von Matthias Schorer, Lead Business Development Manager, Internet of Things, EMEA

Das Thema IoT ruft bei Unternehmen und Endanwender aktuell sehr unterschiedliche Reaktionen hervor: Sie schwanken zwischen Aufbruchsstimmung und Alarmbereitschaft. Wir stehen noch ganz am Anfang und welche Potentiale sich aus dieser Art von „Revolution” ergeben, wird sich vermutlich erst in den kommenden Jahren und Jahrzehnten vollständig zeigen. Momentan stellen wir eher Vermutungen an, wie die grobe Richtung aussehen kann. Ich stoße immer wieder auf IoT-Projekte, die mich begeistern, inspirieren und mir eine neue Ahnung davon geben, was in Zukunft möglich sein könnte. Ein Beispiel: In Krankenhäusern „verschwinden” jährlich bis zu 30% der Geräte jedes Jahr „verschwinden” – allerdings handelt es sich nicht um Diebstahl, sondern um falsch abgelegte Blutdruckmessgeräte oder „entführte” Rollstühle, die einer Abteilung zugeordnet sind, aber von einer anderen Abteilung ausgeliehen wurden. Und sogar Patienten gehen verloren, weil sie sich z.B. des Wartens überdrüssig einfach selbst entlassen. Die Suche nach ihnen bindet das ohnehin schon überlastete Personal. Hier kann man mit RFID (Radio Frequency Identification) Etiketten für die Geräte bzw. RFID-Armbändern für die Patienten einfach Abhilfe schaffen. Die RFID Technik ist mittlerweile soweit fortgeschritten, dass man mir einer Antenne einen ganzen Raum und alle darin befindlichen Dinge erfassen kann.

Letztendlich gestaltete sich der Beginn dieser Revolution ganz unspektakulär: mit dem Einbau von SIM-Karten in Autos, um entweder Telemetriedaten aus den Fahrzeugen auslesen zu können oder um Mehrwertservices hautpsächlich in Oberklasselimousinen anzubieten. Heute lassen sich drei Wirkungsbereiche von IoT identifizieren, die nur zum Teil wirklich auf Kundendaten beruhen:

1.Erweiterung von Produkten und neue Dienstleistungen für die Kunden

2.Effizientere Prozesse (Beseitigung von Reibungsverlusten, Zeit sparen, Assets flexibilisieren)

3.Verbesserte Customer Experience (Neugestaltung der Kundeninteraktion, Entwicklung verbesserter Produkte)

Auf dem Weg zum neuen Geschäftsmodell

Um Kundendaten wirklich optimal und gewinnbringend nutzen zu können, müssen Unternehmen zunächst intern einige Änderungen realisieren. Viele schleppen noch veraltete Legacy-Systeme und Daten-Silos mit sich herum, die dringend beseitigt werden müssen. Bei diesem Änderungsprozess sollten sie jedoch auch nicht die Wettbewerber und deren Handlungen aus den Augen verlieren. Eine einheitliche Aussage, wie weit das IoT schon unsere Unternehmen transformiert, lässt sich nicht so einfach treffen: Hier bestehen beträchtliche Differenzen bezüglich Branche, Status der IT innerhalb des Unternehmens und Druck von außen und innen.

Viele Unternehmen fragen sich nun: Wie gehe ich das Thema IoT konkret an? Natürlich darf man nicht überstürzt handeln, denn erstmal sind Investitionen notwendig, ehe sich ein ROI bemerkbar macht. Unternehmen müssen sich an diesem Punkt intensiv mit den eigenen Produkten auseinandersetzen und kreativ werden. Denn es gilt die Frage zu beantworten: Welche Erweiterung bietet meinen Kunden einen echten Mehrwert? Ein sehr gutes Beispiel ist hier das vernetzte Auto oder auch die Entwicklung des Smart Home. Im nächsten Schritt gilt es dann, ein Ökosystem von Produkten zu verknüpfen, um dadurch Produktgrenzen neu zu definieren und ganz neue Vorteile für den Nutzer zu schaffen. Erst auf der dritten Ebene kommen nun die Daten der Nutzer überhaupt ins Spiel – sie eröffnen eine neue Welt von Services.

Die vierte (bisher unerreichte) Ebene: Connected Industries

Auch in Branchen, die sich schon intensiv mit IoT-Lösungen auseinandersetzen, ist die vierte Ebene noch Zukunftsmusik. Aktuell geht es noch darum, die technische Grundlage umzusetzen und zu verbessern, Pilotprojekte aufzusetzen und zu testen und anschließend der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen – ob für Privatpersonen oder Unternehmen. Ein sehr gutes Beispiel ist das vernetzte Auto. In Zukunft soll es auch mit Parkhäusern und Verkehrsleitsystemen kommunizieren können. Dafür müssen die unterschiedlichen Branchen zusammenarbeiten – so entstehen die wahren Innovationen, die letztendlich einen Mehrwert bieten! Hier lassen sich Potentiale ausschöpfen, an die wir momentan selbst in unseren kühnsten Träumen nicht denken.

Der anonyme und gläserne Mensch – ein mögliches Szenario?

Innovation aller Vernunft und dem Datenschutz zum Trotz – das kann keine Zukunft haben. Wir hinken insbesondere den Amerikanern im Bereich IoT hinterher, aber die Bedenken bezüglich Datenschutz und Sicherheit sind eben nicht unbegründet und nicht zu vernachlässigen. Denkbar wäre, dass in Zukunft zwar die Daten weiterhin fließen, aber anonymisiert werden – ich bin gespannt, was uns noch erwartet!

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