„Doc Robot“ oder was das Internet der Dinge für unsere Gesundheit tun kann

October 25, 2017
„Doc Robot“ oder was das Internet der Dinge für unsere Gesundheit tun kann

Beitrag von Matthias Schorer, Lead Business Development Manager, IoT, EMEA bei VMware

Würden Sie sich von “Doc Robot” behandeln lassen? Ich schon. Und da bin ich wohl nicht alleine. Die VMware Studie mit Bitkom zeigt, dass mehr als die Hälfte aller Deutschen über 18 Jahren diese Frage mit „ja“ beantworten. Die Gesundheit scheint ein hohes Gut zu sein, für das wir gerne bereit sind, uns und unsere persönlichen Daten in die Hände des technologischen Fortschritts zu geben. Vernetzte medizinische Geräte, intelligente Operationssäle und smarte Wearables leisten wichtige Beiträge zu einem gesünderen Leben, einer besseren medizinischen Behandlung und stabileren Heilungsverläufen. Letztlich müssen sich Ärzte, Politik und nicht zuletzt wir, die Patienten selbst, trauen und neuen Behandlungsmethoden eine Chance geben. Sind Sie bereit dazu?

Nichts sollte uns Menschen so wichtig sein wie unsere Gesundheit. Und bei kaum etwas sind wir so skeptisch, als wenn es darum geht, dass „Maschinen“ in das sensible Ärzte-Patienten-Verhältnis eindringen. Doch um es vorweg zu nehmen: Es geht hier nicht darum, dass hier Maschinen und Roboter Ärzte „ersetzen“ oder „verdrängen“. Digitalisierung, moderne, vernetzte Behandlungsmethoden und Instrumentarien sind und werden vielmehr eine zunehmend wichtige Hilfestellung für Mediziner, deren Zeit in der Patientenversorgung immer mehr begrenzt ist.

Die elektronische Patientenakte

Das prominenteste Beispiel, und leider durch endlose Querelen und Pannen zu einem Negativum verkommen, ist die elektronische Patientenakte. Seit 2011 als Modellversuch erforscht, soll sie einmal sämtliche Gesundheitsdaten eines Patienten zentral speichern und so Anamnese, Behandlungsdaten, eingenommene Medikamente sowie mögliche Allergien und Risiken für die behandelnden Ärzte auf einen Klick abrufbar machen. Wenn ich mir vorstelle, dass ich meinem Internisten nicht mehr in umständlichem Laien-Deutsch näherbringen muss, was mein Hausarzt mir vor einem Monat schon nicht erklären konnte, stelle ich mir das unheimlich gewinnbringend vor. Dass so etwas prima funktioniert, sieht man an England, wo das nationale Gesundheitssystem schon sehr lange eine elektronische Patientenakte nutzt. Es hat schon etwas mittelalterliches, wenn man in Deutschland den Arzt wechselt und dieser die Patientenakte per Post bei seinem Kollegen anfordern muss.

„Doc around the clock“: Healthcare Wearables

Als Ergänzung einer herkömmlichen ärztlichen Behandlung ist die telemedizinische Behandlung möglich – sprich: Ich muss nicht mehr zu jeder weiteren Folgeuntersuchung im überfüllten Wartezimmer warten, sondern kann, nach einer ursprünglich ersten persönlichen Anamnese per Telefon- oder Video-Sprechstunde weitere Behandlungsschritte mit meinem Arzt besprechen. Nach Jahren der Skepsis traut man sich solche „bahnbrechenden“ digitalen Konsultationen nun endlich zu.

Unterstützen können dabei auch so genannte Healthcare Wearables. Sie sind die Weiterentwicklung der klassischen Fitness-Armbänder, also mehr als bloßes Spielzeug für Sport-Junkies, und bergen enormes Potential. Pharma- und MedTech-Unternehmen haben das erkannt und arbeiten inzwischen eng zusammen. Das bekannteste Projekt ist die Kooperation zwischen Pfizer und IBM, die gemeinsam Wearables für Parkinson-Patienten entwickeln. Medtronic weitet seine Expertise im Bereich Diabetes-Forschung weiter aus, indem es mit dem Marktführer Fitbit kooperiert, um gemeinsam eine Fitnessarm-App zu entwickeln. Die Integration von Wearable Technik in professionelle Diagnostikgeräte kann ein detaillierteres und aktuelleres Bild der Patientensituation liefern. Ärzte können die so übermittelten Daten digital einsehen und erhalten einen allumfassenden Einblick auf die Lebenswelt ihrer Patienten. Sie können analysieren, welche Tätigkeiten die Messwerte ihrer Patienten beeinflussen und auf dieser Basis eine optimale Therapie erarbeiten.

Und die technischen Möglichkeiten gehen noch viel weiter. Die smarten Systeme können direkt in den menschlichen Körper integriert werden. So messen Smart-Kontaktlinsen über die Tränenflüssigkeit den Blutzuckerspiegel, intelligente Pflaster die Vitalwerte, Smart-Tattoos erfassen die Hydration der Haut und die Körpertemperatur. 2020 soll sogar eine künstliche Bauchspeicheldrüse auf den Markt kommen, die per Sensor regelmäßig den Glukose-Wert im Blut des Patienten prüft und automatisiert die Medikation anpasst.

IoT im Operationssaal kann Leben retten

Was den Einsatz von IoT im Krankenhaus angeht, faszinieren mich momentan zwei Ansätze ganz besonders: Der intelligente Operationssaal und das Tracking von Patienten & Assets.

Im OP kann eine smarte Vernetzung Behandlungsfehler in Echtzeit vermeiden, wenn zum Beispiel ein sensorgestütztes IoT-System bewusstlose Notfallpatienten automatisch biometrisch erkennt. Dem behandelnden Arzt werden mögliche Komplikationen mittels Bildschirm im OP angezeigt, die sich aus den Daten der Patientenakte speisen. Spezialisten können sich per Videotelefonie direkt in den OP zuschalten und bei Eingriffen beraten. Bei Operationen assistieren Augmented-Reality-Systeme, indem sie zum Beispiel tumorartiges Gewebe farblich markieren. Roboter helfen bei der Führung des Skalpells oder als Nanoroboter in der Blutbahn, um autonom Krebszellen zu bekämpfen. Funktionstüchtige Organe, Menisken oder Knochenteile lassen sich direkt nach der Anamnese per 3D-Drucker und körpereigener Stammzellen im Krankenhaus replizieren – und ohne die gefürchteten Abstoßungsreaktionen implantieren. Dass dies keine Zukunftsmusik ist, zeigt der Forschungs-OP des Innovationszentrums für computerassistierte Chirurgie (ICCAS) der Uniklinik Leipzig, bei dem alle Geräte vernetzt sind und miteinander kommunizieren.

Tracking im Krankenhaus: Wo ist das Skalpell verblieben?

Ein weiteres unheimlich spannendes Thema ist das Tracking von Patienten & Assets. Was auf den ersten Blick eher seltsam erscheint, ist DIE Lösung für ein praktisches und überwiegend wirtschaftliches Problem in Krankenhäusern: Ich habe im Dialog erfahren, dass im Durchschnitt bis zu 30 Prozent aller medizinischen Geräte, Skalpelle, Stethoskope oder Blutdruckmanschetten etc., spurlos verschwinden. Mit Hilfe von RFID Chips ließen sich nicht nur diese vermisste Objekte aufspüren – manchmal sogar im Bauch des Patienten – sondern auch Patienten. Eine tolle Sache, sowohl für den Patient als auch das Krankenhaus. Denn wenn man weiß, dass der Patient gerade auf die Blutabnahme wartet und das noch etwa 45 Minuten dauert, kann man ihn in dieser Zeit zum Röntgen schicken, wenn dieser Bereich gerade frei ist. Heute ist es üblich, die Behandlung im Krankenhaus sequentiell durchzuführen, und dies resultiert für den Patient eben in ewigen Wartezeiten. Das Patienten Tracking wirkt sich nicht nur auf die Wartenden positiv aus, sondern auch auf die Auslastung der teuren Medizintechnik.

IoT schafft in der Medizintechnik und der medizinischen Behandlung neue Möglichkeiten und Wege. Wege, die sicher und solide ausgebaut werden müssen und begangen werden wollen – in einem Tempo, mit dem Ärzte und Patienten gut Schritt halten können. Für uns bei VMware geht es deshalb immer wieder darum, eine Balance zu finden zwischen digitalem Fortschritt, gesellschaftlichem Misstrauen und IT-Sicherheit bzw. Datenschutz. Als Strategic Account Executive Healthcare & Education beschäftigt sich mein Kollege Carsten Kramschneider tagtäglich mit den Herausforderungen einer gerätebasierten Medizin im Krankenhaus und wie man sie mit IT verbessern kann. Sie möchten mehr wissen? Dann kontaktieren Sie Carsten Kramschneider (LinkedIn, Xing, Twitter) oder mich auf LinkedIn, Xing und Twitter.


 
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