IoT am Arbeitsplatz – Was ändert sich wirklich für uns?

July 21, 2017
IoT am Arbeitsplatz – Was ändert sich wirklich für uns?

Beitrag von Matthias Schorer, Lead Business Development Manager, IoT, EMEA bei VMware

Web-Meetings, soziale Netzwerke und mobile Arbeitsplätze – internetbasierte Anwendungen und Cloud-basierte Speicherdienste, die große Datenmengen mobil machen, gehören inzwischen zum ganz normalen Arbeitsalltag. Was aber kann IoT leisten, um diese Dienste noch besser an den Arbeitsalltag anzupassen?

Nicht alles über einen Kamm scheren

Aufgrund der enormen Veränderungen in den letzten Jahren ist die Angst davor, dass die Digitalisierung uns Menschen überholt, groß. Ich denke jedoch, dass man dieses Thema etwas differenzierter betrachten muss. Auch die Industrialisierung war Fluch und Segen auf einmal. Es sind dadurch viele Arbeitsplätze entstanden, bei denen schwere körperliche Betätigung von Maschinen übernommen wurden. Ähnliches wird meines Erachtens auch jetzt wieder passieren oder passiert bereits. Natürlich verändert IoT auch die Art, wie wir arbeiten. IoT wird es Mitarbeitern letztlich ermöglichen, den Workspace nach ihren Bedürfnissen auszurichten, durch optimierte Prozesse Zeit zu sparen und so auch Produktivität zu gewinnen.

Der Mensch bleibt Dreh- und Angelpunkt

Wie soll das funktionieren? Informationen über persönliche Wünsche und Lebenssituationen der Mitarbeiter, die das IoT über Sensoren und Apps sammelt, wird es Unternehmen ermöglichen, das „Smart Office“ noch individueller und flexibler zu gestalten. Dabei geht es nicht nur um den Bürostuhl, der sich nach der Erfassung der Körpermaße eigenständig ergonomisch ausrichtet, oder die automatisierte Rollladensteuerung. Auch das Office Management lässt sich automatisieren: Telefonanlagen, die alle Konferenzteilnehmer selbst anwählen und in den Call holen, sobald der Termin ansteht oder Beamer, die sich zu Präsentationsbeginn selbst aktivieren und einrichten. Aber auch Besprechungsräume, die selbst feststellen, dass sie zwar gebucht sind, aber sich fünf Minuten nach dem geplanten Beginn der Besprechung niemand in dem Zimmer befindet, sind keine Utopie. Der Raum würde dann automatisiert wieder freigegeben, die Klimaanlage reduziert.

Berufsbilder und Tätigkeiten ändern sich

Diese Vorteile betreffen zwar in erster Linie „Denkarbeiter“, die über mobile Devices und PC-Arbeitsplätze den direkten Zugang zum Internet of Things haben. Aber auch Beschäftigte in gewerblichen Bereichen, zum Beispiel in Produktion, Logistik oder Handel erfahren Erleichterung. Zum Beispiel geben die mit Sensoren und Aktoren ausgestatteten und über das Internet vernetzten Maschinen selbst bekannt, wann sie gewartet werden müssen, Ersatzteile benötigen oder Material nachgefüllt werden soll. In der Produktion oder im hochautomatisierten Zentrallager kommunizieren die Maschinen im Idealfall auch selbst miteinander. Sensoren in den Arbeitsanzügen erkennen, wenn der Mitarbeiter, zum Beispiel beim Heben von Lasten, seine Wirbelsäule überlasten würde, und senden eine Warnung auf sein Handy. Der Mitarbeiter kann sich auf die Optimierung seiner Arbeitsprozesse konzentrieren. Aber auch im Handel bzw. im Verkauf entfallen zeitaufwändige Tätigkeiten, zum Beispiel die manuelle Kontrolle und Aktualisierung des Lagerbestandes oder die Bestellung. All  das kommt letztlich nicht nur den Kunden, sondern auch den Mitarbeitern zu Gute. Und last but not least: Durch IoT fallen nicht nur Tätigkeiten weg, es entstehen auch ganz neue spannende Berufsbilder, zum Beispiel im Bereich der Datenanalyse oder in der Software- bzw. App-Entwicklung.

IoT ist nicht Frankenstein!

Ich bin der Meinung: Die Anreicherung vieler Arbeitsprozesse mittels IoT Technologien bietet letztlich eine enorme Chance für den Menschen, nämlich die, sich auf die menschlichen Stärken zu fokussieren – das eigenständige Denken und Handeln. So skeptisch man gegenüber IoT auch sein mag, am Ende wird eines deutlich: Noch hat jeder technologische Fortschritt zwei Seiten gehabt. Jede Veränderung birgt Chancen und Risiken. Vor rund 200 Jahren entstand mit „Frankenstein“ der erste Science-Fiction-Roman, der schon damals davor warnte, dass sich vom Menschen erschaffene Kreaturen selbstständig machen und die Menschheit zerstören. Eine Dystopie, die sich zum Glück nie bewahrheitet hat. Die technologische Entwicklung hat schon immer einen großen Teil zur Entwicklung der Menschheit und einem humaneren Arbeiten und Leben beigetragen und wird es auch in Zukunft tun. Davon bin ich überzeugt.

Wie stehen Sie zum Smart Office? Sehen Sie im Internet of Things eher die Chancen oder die Risiken für Ihren Arbeitsplatz? Welche Erfahrungen haben Sie bisher gemacht? Ich freue mich auf einen regen Austausch mit Ihnen auf Twitter, LinkedIn oder XING.


 
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