High-Tech meets Automotive – Wer übernimmt die Vorreiterrolle im Wachstumsmarkt?

January 24, 2017
High-Tech meets Automotive – Wer übernimmt die Vorreiterrolle im Wachstumsmarkt?

Beitrag von Matthias Schorer, Lead Business Development Manager | Internet of Things | EMEA

Große Technologiekonzerne machten in der zweiten Hälfte des Jahres 2016 Schlagzeilen: Denn sie drängen massiv in den Markt für Automobil-Technologie. So arbeiten Google und Apple an eigenen Automodellen mit Elektroantrieb, zumindest aber an Technologien für solche Fahrzeuge. Andere Technologiekonzerne sichern sich durch massive Übernahmen ihr Stück am Wachstumsmarkt. Doch warum? Geht es um reines Profitkalkül oder steckt mehr dahinter? Ich geben Ihnen einen kurzen Einblick in den Markt für Automobiltechnologie.

Samsung übernahm im November 2016 für acht Milliarden US-Dollar den Autoelektronik-Spezialisten Harman mit 30.000 Mitarbeitern. Die Autoelektronik-Produkte von Harman werden aktuell in über 30 Millionen Autos verwendet, unter anderem in Modellen von BMW, Fiat Chrysler, General Motors, Toyota und Volkswagen. Und auch Tech-Gigant Apple arbeitet an einem eigenen Autoprojekt „Titan”, über das aber – Apple typisch – wenig bekannt ist. Die niedlichen, autonomen Autos von Internet-Riese Google sind ja bereits seit einigen Jahren auf den Straßen des Silicon Valley unterwegs, jetzt unter dem Namen Waymo. Allerdings hat der Konzern seine Strategie kürzlich geändert und setzt nun verstärkt auf die Kooperation mit traditionellen Autoherstellern, wie Fiat Chrysler und Honda.

Das vernetzte Auto ist auf dem Vormarsch und dafür werden Connected-Car-Lösungen in verschiedensten Bereichen benötigt: Fahrerassistenzsysteme, Infotainment-Systeme, Fleet-Learning-, Telematik- und Navigationssysteme sowie Sicherheits-Systeme. Darüber hinaus sammeln vernetzte Autos Unmengen an Informationen, sowohl fahrzeug-, insassen- als auch umweltbezogene Daten. Diese müssen über verschiedene Dienste und Systeme erfasst, ausgewertet, verarbeitet und gespeichert werden. Für Automobilhersteller ein Herausforderung und ein Grund dafür, warum Technologieanbieter zunehmend in diesen Markt vordingen. Denn Sie haben die nötige Expertise, das Know-How und das Personal. Alternativ werden kompetente Mitarbeiter einfach abgeworben. So wechselte ein hochrangiger technischer Leiter von Porsche kürzlich zu einem Technologie-Unternehmen in San Francisco, vermutlich zu Apple. Eines zeigt diese Entwicklung aber eindeutig, nämlich, dass das eigentliche Fahrzeug immer mehr in den Hintergrund gerät und dass Software die wichtigste Komponente wird.

Und noch viel wichtiger: Es wird damit gerechnet, dass dieser Markt in den nächsten Jahren massiv wächst. Laut Prognosen wird im Jahr 2021 ein Marktvolumen von 7 Milliarden Euro erreicht, was einem jährlichen Umsatzwachstum vonüber 33 Prozent entspricht. Für Technologieunternehmen ist es ein naheliegender Schritt sich diesen Markt zu erschließen. Viele kommen aus dem Bereich der Unterhaltungselektronik und dringen im Zuge des „Internet der Dinge” in weitere Lebensbereiche vor. Das Auto wird zu einem Smart Device auf Rädern, ausgestattet mit neuester Hardware, Software und Infotainment-Services.

Die Autohersteller müssen also aufpassen, dass sie die Hoheit über die digitale Revolution im Automobilbereich nicht den Technologieunternehmen überlassen. Zu lange verharrte die Autobranche — gerade in Deutschland — in herkömmlichen Denkmustern, und verlor so, gerade in Bereich Elektrofahrzeuge fast den Anschluss an die Konkurrenz aus den USA und Asien. Die Konkurrenz wird nun umso größer, je mehr Unternehmen aus den Bereichen Technologie und Internet auch noch mit ihren Innovationen auf diesen Markt strömen. Gerd Dudenhöffer, der anerkannte Kenner der Automobilbranche, zeichnet in seinem aktuellen Buch „Wer kriegt die Kurve” ja ein eher düsteres Bild für die hiesigen OEMs. Alles in allem eine spannende Entwicklung, ein innovativer Markt — man darf gespannt sein, was sich hier in den nächsten Jahren tun wird, welcher Hersteller eigenständig übrig bleibt und wer zum puren Zulieferer für die High Tech Branche degradiert wird.

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