5 Gründe, warum sich Kfz-Hersteller radikal neu erfinden müssen

August 23, 2016
5 Gründe, warum sich Kfz-Hersteller radikal neu erfinden müssen

Beitrag von Matthias Schorer, Head of Strategy Consulting, CEMEA, VMware

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„Die bislang geltenden Regeln in der Automobilindustrie werden neu definiert” – wahre Worte, die BVDW-Vizepräsident Achim Himmelreich da von sich gibt. Die Digitalisierung soll nun auch bei der Automobilbranche im Mittelunkt stehen, was konkret bedeutet, dass sich KFZ-Hersteller derzeit radikal neu erfinden. Dieter Zetsche, der CEO von Daimler brachte dies in seiner eigenen Art direkter auf den Punkt: „Go Digital or Go Home” hat er als Losung für Daimler ausgegeben.

Das Ziel, sich als Digitalunternehmen zu behaupten, steht im Mittelpunkt der Strategie. Soll heißen: wer sich jetzt nicht ins Zeug legt, kann ganz schnell den Anschluss verpassen (man denke beispielsweise an Nokia und das Smartphone-Dilemma). Diese fünf Gründe geben einen Überblick zu den größten Herausforderungen der Branchendigitalisierung.

Intelligente Verkehrssteuerung

Die Vernetzung der Autos untereinander und mit Verkehrsdaten ist eine Technologie, die zwar noch in den Kinderschuhen steckt, aber schon heute optimierte Verkehrslenkung und –Regelung ermöglicht. Es ist es diese Art der Vernetzung, von der Connected Cars ihren Namen haben. Ganze Verkehrsströme lassen sich steuern, kurzzeitige Warnmeldungen weisen auf Staus und Unfälle hin, Straßenverläufe werden vorausberechnet und Fahrersysteme wie Fahrwerk, Scheinwerfer oder Beschleunigung entsprechend angepasst.

Im dritten BVDW Diskussionspapier zum Thema Connected Cars heißt es, dass bis 2050 rund 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten und Ballungsräumen leben werden. Was für ein Verkehrschaos dadurch entsteht, kann sich jeder selbst ausmalen. In diesen Ballungsräumen muss eine intelligente Verkehrsregelung aushelfen. Bestehende Straßeninfrastruktur sollte durch Push-Notifikationen zu Stop- & Go-Verkehr, Stau-Umleitungen und durch eine Integration des vernetzten Autos mit der vernetzten Stadt optimal ausgelastet werden.

User Experience

Unsere Umgebung wird zunehmend durch das Internet bestimmt und in einer vernetzten Stadt wandelt sich dann auch die eigene Wohnung bzw. das eigene Haus zu einem Smart Home. Hierbei steht ganz klar der Komfort des Nutzers im Vordergrund. Gemütlich aus dem Auto das ganze Haus steuern: Garagentor, Licht, Heizung, Belüftung und Security. Idealerweise steuert das System sich in weiten Teilen selbst. So könnte das Auto dem Haus melden, dass der Fahrer im ich Stau steht und die Wohnung deshalb schon mal für eine positive und beruhigende Lichtstimmung sorgen soll. Verrückt!, denken Sie? Mitnichten, genau diesen Einsatzfall hat Bosch auf deren diesjährigen Connected World in Berlin vorgestellt!

Connected Cars sind die logische Erweiterung unseres Connected Self

Umgekehrt lässt sich das Auto natürlich per Smartphone-Klick automatisch aus der Garage fahren oder dem Wetter entsprechend klimatisieren. Gimmicks, die in wenigen Jahren zur Standard-Ausstattung gehören müssen.

Ausgedient hat zudem das herkömmliche Armaturenbrett. Statt eines zentralen Displays im Auto muss das Interaktions-Konzept auf das gesamte Innenleben erweitert werden. Headup-Displays, Bildschirme in den Vordersitzen als Abbildungs- und Bedienoberfläche, Sprachsteuerung und Gestensteuerung werden die Bedienungsszenarien im Automobil weitreichend verändern.

Service Orientierte Architektur

Wurde das Betriebssystem im Auto bisher als notwendiges Übel gesehen, ist es nun durch die Digitalisierung plötzlich der Dreh und Angelpunkt der Nutzererfahrung, bildet es doch die Basis für alle Mehrwertdienste die das Auto in Zukunft definieren. Denkbar ist, dass einige Hersteller auf etablierte Systeme, wie Apple iOS oder Google Android zurückgreifen. Die jeweilige Service-Oriented Architecture (SOA) wird dann den Mehrwert des Wagens bestimmen. Gemeint sind verfügbare Apps, die unterschiedliche Funktionen zur Verfügung stellen. Wer hier punktet, wird entscheidend mitbestimmen, welches Betriebssystem sich letzten Endes durchsetzt. Dass ein Auto ohne vorhandenes Handy überhaupt nicht mehr funktioniert glaube ich allerdings nicht. Zumindest eine Art Notbetrieb muss möglich sein. Die Kompatibilität zu den zwei Großen Playern Google und Apple wird allerdings Grundvoraussetzung dafür sein überhaupt noch ein Fahrzeug verkaufen zu können. Oder, wie es der CEO von Ford anschaulich formulierte: „Wie kann es sein, dass ein Handy für 400$ darüber bestimmt, ob jemand ein Fahrzeug für 40.000$ kauft?”

Hersteller müssen versuchen eigene, d.h. exklusive Dienste anzubieten, die eine Differenzierung zu anderen Anbietern schaffen. Mit dem Anstieg der Elektromobilität werden diese Dienste das einzige Unterscheidungsmerkmal sein, denn dann kann niemand mehr mit 6, 8 oder gar 12 Zylindern angeben – Elektro-PS sind einfach nicht sexy.

Verkehrssicherheit

Rund 90 Prozent aller Verkehrsunfälle sind auf menschliches Versagen zurückzuführen. Ablenkung, Fahrlässigkeit, Überforderung – in einem vernetzten, mit Assistenzsystemen ausgestatteten Auto halten sich diese Risiken in Grenzen. Je mehr unsere Bordcomputer dazu lernen und je präziser sie zugespielte Daten verarbeiten, desto sicherer wird die Straße. Wer diesen Ansprüchen nicht gewachsen ist, verliert.

Auf lange Sicht ist davon auszugehen, dass Connected Cars Menschenleben retten werden, indem Sie die Komponente des menschlichen Fehelers aus der Gleichung entfernen.

Warum Verkehrsunfälle Connected Cars nicht aufhalten können

IT-Security

Weil Hackerattacken auf Connected Cars eine Bedrohung für das Eigentum und die Verkehrssicherheit sind, wird IT-Sicherheit zum Fokus. Risiken, wie etwa vor einem mobilen Botnet oder Automotive-Malware sind reale Probleme, die der Automobil-Industrie bisher unbekannt waren. Neue Anforderungen an die Sicherheit von Fahrzeugen werden die Branche künftig auf Trab halten.

Dieser digitalen Bedrohung geschuldet, müssen Kfz-Hersteller zunehmend auch zu digitalen Lösungsanbietern werden. Ob Cloud, Big Data oder IT-Security – sie müssen sich gegen starke und über Jahre hinweg etablierte Player behaupten oder aber vorteilhafte Partnerschaften schließen. Branchengrenzen verschwimmen.

Habe ich einen wichtigen Aspekt vergessen? Ergänzen Sie mich gerne in den Kommentaren!

CTA: Trends und Entwicklungen zum Connected Car, IoT und der Cloud zeigen wir auf der VMworld Europe 2016 vom 17. – 20. Oktober in Barcelona: Jetz anmelden!


 
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